Geschichte Pfarrei Osterhofen

Geschich­te der Stadt­pfar­rei und ihrer Pfarrkirche

1. Die Anfänge


Im Jah­re 1220 weih­te Propst Garun­gus vom Prä­mons­tra­ten­ser­stift Oster­ho­fen (11951227) die Spi­tal­kir­che dem hl. Anto­ni­us dem Ein­sied­ler. Das Spi­tal war kurz vor­her errich­tet wor­den, denn um 1200 schlepp­ten Kreuz­fah­rer den Aus­satz nach Euro­pa ein und ent­stan­den damals Lepro­sen­häu­ser und Anto­ni­kir­chen, wie dies auch in Oster­ho­fen der Fall war” (Orts­chro­nik). Das erklärt, war­um man das Hos­pi­tal — weit­ab von der Nie­der­las­sung der Bam­ber­ger Minis­te­ria­len in Pöding wie auch von der Klos­ter­sied­lung — an die alte Heer- und Han­dels­stra­ße stell­te. Die Lepra war gefürch­tet wie die Pest. 

Da lag es nun, ein­sam am Ufer des (spä­te­ren) Mühl­bachs, ein auto­no­mes Hos­piz, aus­ge­stat­tet mit Wie­sen, Fel­dern und Wald, mit Vieh und einer eige­nen Müh­le, mit Rech­ten und Stif­tun­gen (Albrecht von Hals, der Vogt der Herr­schaft Oster­ho­fen, tat — vor allen — eine gro­ße Stif­tung zum Got­tes­haus daselbst), eine Zuflucht der Bedürf­ti­gen. Geist­lich wur­de es von den Kon­ven­tua­len der Nor­ber­ti­ner betreut.

Probst Gerung war ein weit­sich­ti­ger, ent­schlos­se­ner Mann. Im Jahr 1192 war es (unter sei­nem Vor­gän­ger Propst Walt­her) wegen Grenz‑, Jagd- und Advo­ka­tie­strei­tig­kei­ten zwi­schen Albert III. von Bogen, Otto­kar von Böh­men und Leo­pold von Öster­reich einer­seits und den Gra­fen von Orten­burg und dem Her­zog von Bay­ern and­rer­seits zum offe­nen Krieg gekom­men. Mit Feu­er und Schwert wur­de gewü­tet, weder Altä­re noch Hei­lig­tü­mer geschont und gegen die Men­schen ohne Rück­sicht auf Alter und Geschlecht gerast” (Sit­ters­ber­ger). Als Kai­ser Hein­rich VI. end­lich Frie­den gebot, lagen Oster­ho­fens Klos­ter­gü­ter ver­wüs­tet. Propst Walt­her schied am 15. März 1195 aus Schmerz über die Ver­hee­run­gen aus dem Leben. Sein Nach­fol­ger Gerung über­nimmt ein schwe­res Erbe. Aber er packt an, räumt auf und baut auf und hält Umschau nach Hel­fern in der Not. Und er fin­det sie: Her­zog Otto von Öster­reich gewährt zur Wie­der­gut­ma­chung und zur Erlö­sung sei­nes Vaters Leo­pold” gewis­se Privilegien.

Der Bischof von Pas­sau über­trägt Markt­rech­te, der Bischof von Bam­berg schenkt Wald etc.. Nach­dem Gerung sein Haus bestellt hat, beginnt er nach außen zu wir­ken — besetzt 1218 Maria Schlag im Mühl­vier­tel mit Prä­mons­tra­ten­ser­mön­chen (die Zis­ter­zi­en­ser haben auf­ge­ge­ben), favo­ri­siert die Spi­tal­grün­dung zu Oster­ho­fen (auf Klos­ter­grund) und kon­se­kriert 1218 die Sankt Anto­ni­us Spi­tal­kir­che (s.o.). Damit wird Propst Gerung der Vater unse­rer Pfarrkirche.


2. Nach der Stadtgründung

1378 grün­de­te Land­graf Johann der Älte­re von Leuch­ten­berg Graf zu Hals (s. Oster­ho­fe­ner Hef­te) die Stadt Oster­ho­fen, indem er den alten Markt am Stift an einen ande­ren Ort ver­leg­te und zur Stadt erhob. Die Anto­ni­us Spi­tal­kir­che wird Stadt­pfarr­kir­che. Und der Land­graf stif­tet als ers­ter eine täg­li­che Messe.

Betreut wird die Stadt­pfar­rei als Fili­al­kir­che des benach­bar­ten Stif­tes Oster­ho­fen von sog. excur­rie­ren­den, ab 1695 dann von expo­nier­ten Kon­ven­tua­len (Patres im Außen­dienst), die man Stadt­seel­sor­ger nann­te. Im Gedenk­buch der Anto­ni­bru­der­schaft (Lud­wig Hein­rich Krick) sind sie auf­ge­führt — vom ers­ten exkur­rie­ren­den Pater Fried­rich (+ 1425) bis zum letz­ten Joseph Schmidt­ner (+ 1686) und vom ers­ten expo­nier­ten Pater Pöck (1693 — 1709) bis zum letz­ten Ignaz Prun­ner (177375); 1783 wur­de das Stift auf­ge­ho­ben, Oster­ho­fen wird könig­li­che Expo­si­tur der säku­la­ri­sier­ten Damen­stift­pfar­rei (s. 3.).

Sehr viel tut sich in der Pfarr­kir­che zu Oster­ho­fen nicht. Da hal­ten die Bru­der­schaf­ten des hl. Anto­ni und des hl. Sebas­tia­ni sowie die Hand­werks­zünf­te ihre gewöhn­li­chen (gewohn­ten) Jahr­tä­ge, auch ist das gan­ze Jahr hin­durch eine gestif­te­te Mes­se (s.o.) von uralten Zei­ten” her. Was auf­fällt, es gibt kei­nen Sonn­tags­got­tes­dienst. Der wur­de in der St. Geor­gen­kir­che am Geor­gi­platz (s. Oster­ho­fen um 1800” s. 32ff) gele­sen, die um 1400 von der ver­wit­tib­ten Land­grä­fin Kuni­gun­de von Leuch­ten­berg (Schwie­ger­toch­ter des Stadt­grün­ders) aus Tei­len ihrer Burg” am west­li­chen Stadt­rand errich­tet wur­de und für die nach Kuni­gun­des Tod Abt Mar­tin Wir­tin­ger (143037) erneut ver­füg­te, dass dort alle Sonn- und Fei­er­ta­ge die von Alters her je und je gewöhn­li­che Mes­se fort­ge­le­sen werde”.

Ansons­ten rufen die Gläu­bi­gen der Stadt die Glo­cken der Klos­ter­kir­che nach Alten­markt. Ver­ständ­lich, dass die Stadt­leut das ändern möch­ten. 1509 ver­sucht die Anto­ni­bru­der­schaft einen Welt­geist­li­chen zu erwir­ken — ver­geb­lich. 1555 wird ein amt­li­ches Begeh­ren des Raths der Stadt wie folgt ver­be­schie­den, dass gemei­ner Stadt all­da alle Feyer­tag im Anto­ni-Got­tes­haus mor­gens eine Stadt­meß ohn­ge­fähr zwi­schen sechs und sie­ben Uhr gele­sen und dar­zu das Evan­ge­li­um mit gebühr­li­cher Aus­le­gung gepre­di­get wer­de … Dage­gen soll gemei­ner Rath die ande­re Stadt­meß (in St. Georg) unge­hal­ten fal­len lassen”.

Aus­ge­nom­men von der Rege­lung sind alle hohen Fest­ta­ge; die wer­den nach wie vor in der Klos­ter­kir­che began­gen. Dafür soll jedoch von der Kir­che des hl. Anto­ni­us bis zum Klos­ter der Weg so her­ge­stellt wer­den, dass 2 Per­so­nen neben­ein­an­der gehen kön­nen”. Das geschieht. Der Weg nach Alten­markt, der durch den her­ein­flie­ßen­den Sin­ger­bach des öfte­ren unter Was­ser steht, wird mit Stein­plat­ten aus­ge­legt, woher der lan­ge Zeit gebräuch­li­che Name Stein­weg sei­nen Ursprung hat. Eine Fahr­stra­ße ent­steht erst, als in den 60er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts die kgl. Ost­bahn nach Pas­sau gebaut wird; aus dem Stein­weg wird die Bahnhofstraße.

Erst das Jahr 1595 bringt einen Wan­del. 1593 war der Pri­or Micha­el Vöge­le (Grab­plat­te am Süd­por­tal der Kir­che) als Abt bestä­tigt wor­den, und die­ser her­vor­ra­gen­de Mann, der durch con­stan­tia fidei (die Fes­tig­keit im Glau­ben), sci­en­tia lite­rarum (sei­ne Gelehr­sam­keit), vita ac morum hone­sta­te (die Makel­lo­sig­keit sei­nes Lebens­wan­dels) glänz­te, tut alles, um die von der Refor­ma­ti­on arg gebeu­tel­te Glau­bens­welt in und außer­halb des Stif­tes wie­der her­zu­stel­len. So ent­sen­det er den ehr­wür­di­gen geist­li­chen Herrn Pau­lus Sturm als Stadt­seel­sor­ger und Stadt­pre­di­ger in die Stadt: Die Con­ven­tua­les hät­ten zwar bis­her die Wochen­mes­sen in der Stadt ver­rich­tet, aber die Kran­ken sei­en oft­mals ohne christ­li­chen Trost geblie­ben, Beicht­hö­ren und Rei­chung des aller­hei­li­ges­ten Altar­sa­kra­ments des wei­ten Weges und ver­sperr­ten Con­vents wegen nicht gewähr­leis­tet gewe­sen und Neu­ge­bo­re­ne aus Man­gel eines geses­se­nen Pries­ters unge­tauft abge­schie­den. Als obris­ter Pfarr­herr die­ses Ortes möch­te er die­ser auf dem Hal­se lie­gen­den Last ent­ho­ben sein und habe des­halb genann­ten Herrn Pau­lus, den wir für einen ehr­ba­ren pries­ter­li­chen alten Mann anse­hen” deputieret. 

Er sol­le alle Fei­er­ta­ge durch das Jahr im St. Anto­ni Got­tes­haus Got­tes­dienst und Predi­ka­tur mit son­der­li­cher Andacht und rei­nem Gewis­sen sowie alle Wochen am Mon­tag, Mitt­woch und Frey­tag die Früh­mes­se Som­mers­zei­ten um 7 Uhr und Win­ters­zei­ten um 8 Uhr ver­rich­ten, sol­le die Hoch­zei­ten der Bür­ger­schaft auf der Kan­zel ver­kün­den und her­nach die­sel­ben ein­seg­nen, sol­le auch durch das Jahr die kran­ken Leut, die es begeh­ren, pro­vi­die­ren. Er selbst sol­le sich fromblich und erbar­lich ver­hal­ten, gute Exem­pel geben, sich des Trunks und jeg­li­cher Gesell­schaft nicht las­sen belus­ti­gen, viel­mehr got­tes­fürch­tig sein, einen ein­ge­zo­ge­nen pries­ter­li­chen Wan­del füh­ren, damit sich eine gan­ze Gemain an ihm nicht ärgern thue, sei­nem Amte und Beru­fe treu nach­kom­men und sich davon durch nichts Welt­li­ches ver­hin­dern oder abhal­ten las­sen”. Streng warns dero Gnaden!

Einen wei­te­ren Schritt zur Nor­ma­li­tät bringt das Jahr 1693. 1675 war Micha­el II. Stein­mayr zum Abt erwählt wor­den, ein hoch­an­ge­se­he­ner Mann — Abbas rarus cunc­tis carus (ein Abt wie kaum sei­nes­glei­chen, allen lieb und wert), Patriae patrum Depu­ta­tus (Stän­de­ab­ge­ord­ne­ter), Salo­mon pru­den­tiae (Salo­mon gleich an Weis­heit), Cice­ro elo­quen­tiae (ein Cice­ro an Bered­sam­keit), sep­tem librorum aut­hor (Autor von 7 maria­ni­schen Büchern). Er erläßt im April 1693 einen Revers den dasi­gen Seel­sor­ger betref­fend” und ver­fügt, dass wegen vie­ler Sup­pli­cen des Raths all­hier” an Sonn- und Fei­er­ta­gen ein gesun­ge­nes Amt ver­gönnt wer­de — mit Aus­nah­me der hohen Fest­ta­ge, maßen sie (die Bür­ger) an sol­chen Fest­ta­gen schul­dig sind, den Got­tes­dienst in der Haupt- und Klos­ter­kir­che zu fre­quen­tie­ren”. Kinds­tau­fen kön­nen wei­ter­hin in der Stadt­kir­che vor­ge­nom­men wer­den, des­glei­chen die Hoch­zei­ten, wobei das Beschei­des­sen in natu­ra ins Schul­haus (eine Schu­le gab es seit ca. 1550, sie befand sich auf dem Kirch­platz, heu­te Polif­ke Nr. 9 u. wur­de von Patres betreut) zu tra­gen sei, auch kön­ne man denen alten und brest­haf­ten Leu­ten in der Spi­tal­kir­che die Beicht und Com­mu­ni­on mitt­hei­len, wo auch wie bis­her die Kin­der- und Chris­ten­lehr abzu­hal­ten ist. Seit 1695 wer­den die exkur­rie­ren­den Kon­ven­tua­len durch einen expo­nier­ten Seel­sor­ger ersetzt, der sich nun­mehr auf Dau­er und aus­schließ­lich der Stadt­seel­sor­ge wid­met. Oster­ho­fen wur­de damit vor 320 Jah­ren Expo­si­tur des Stifts Osterhofen.

3. Nach der Klosteraufhebung

Am 29. Dezem­ber wur­de das Prä­mons­tra­ten­ser­stift Oster­ho­fen wegen Ober­schul­dung” kur­zer­hand auf­ge­löst. Das 18. Jahr­hun­dert hat­te viel Unglück gebracht: Am 24. Juni 1701 leg­te Blitz­schlag das Klos­ter in Schutt und Asche. Der Wie­der­auf­bau der Klos­ter­ge­bäu­de unter Abt Fer­di­nand Schöl­ler (170117) sowie der Kir­che unter den Äbten Joseph Mari (172727) und Paul Wien­in­ger (172765) kos­te­te viel Geld. Dazu kamen die Las­ten des anschlie­ßen­den Gro­ßen Bai­ri­schen Krie­ges (des Öster­reich. Erb­fol­ge­kriegs). Von 1741 – 45 war das Stift sie­ben­mal Haupt­quar­tier der feind­li­chen Öster­rei­cher, deren Heer­la­ger sich bis nach Thun­dorf erstreck­te. Die Fel­der waren ver­heert, Wäl­der und Flu­ren leer­ge­jagt, die Gewäs­ser leer­ge­fischt. Die Schul­den­last belief sich auf 300.000 Gul­den, das war 1/3 des Wer­tes der Lie­gen­schaf­ten. Das Klos­ter wäre zu ret­ten gewe­sen, hät­te nicht die Säku­la­ri­sie­rung von 1803 ihre Schat­ten vor­aus­ge­wor­fen. So aber schlos­sen sich die Pfor­ten, die Mön­che zer­streu­ten sich, fan­den da und dort als Expo­si­ti Diens­te. Abt Micha­el III. Lig­g­le­der allein behielt das Wohn­recht, dazu eine jähr­li­che Pen­si­on von 600 Gul­den. Er nahm sie nicht lan­ge in Anspruch. Am 17. Juli 1784 ver­schied der letz­te Abt, der 57. Propst des Prä­mons­tra­ten­ser­stifts an gebro­che­nem Her­zen”. Oster­ho­fen wur­de Welt­li­che Expo­si­tur der Damen­stift­s­pfar­rei Oster­ho­fen und durch könig­li­ches Dekret vom 17. August 1818 orga­ni­siert. Krick führt in sei­ner Chro­no­lo­gie der Seel­sor­ger die Expo­si­ti auf, unter ihnen zwei Exnor­ber­tia­ner von Oster­ho­fen — Nor­bert von Lim­böckh (1784 bis 87) und Flo­ri­an Duschl (1787 bis 1805). Mit Micha­el Breu wird der ers­te Welt­geist­li­che Expo­si­tus (1825 bis 36); Johann Bap­tist Rit­zin­ger ist der letz­te (1864 bis 95; Pfar­rer der eigen­stän­di­gen Pfar­rei bis 1901).

Aus den hand­schrift­li­chen Auf­zeich­nun­gen des genann­ten kgl. Stadt­pfarr­ex­po­si­tus M. Breu von 1826 kön­nen wir die in der Stadt­pfarr­ex­po­si­tur gewöhn­li­chen Funk­tio­nen” entnehmen:

a) Die vor­han­de­ne ein­zi­ge Spi­tal­kir­che (St. Georg war dem gro­ßen Stadt­brand von 1811 zum Opfer gefal­len) fei­ert ihr Haupt­pa­tro­zi­ni­um am Sonn­tag vor Anto­ni­us dem Ein­sie­del (17.1.) als Haupt­pa­tron des Got­tes­hau­ses, das Neben­pa­tro­zi­ni­um am Sonn­tag nach Sebas­tia­nus Mär­ty­rer (20.1.) als Neben­pa­tron des Got­tes­hau­ses mit der hier­orts noch bestehen­den St. Anto­ni und St. Sebas­tia­ni Bru­der­schaft als fei­er­li­ches Amt mit Pre­digt und 2 Vespern.

b) An Sonn- und Fest­ta­gen wird der hl. Got­tes­dienst im Win­ter um 8 1/2 Uhr und im Som­mer um 8 Uhr gehal­ten. Der bey dem Got­tes­dienst gewöhn­li­che (übli­che) Unter­richt bestehet abwechs­lungs­wei­se in Pre­dig­ten, in Homi­li­en (Bibel­aus­le­gun­gen) und in so genann­ten Chris­ten­lehr­re­den (= z.B. Hin­wei­se zum Sakramentenempfang).

c) Vor den Got­tes­diens­ten ist hier­orts gar kei­ne Andacht gewöhn­lich, denn es ist kein Sei­ten­gang in der Kir­che, es ist kein Kirch­hof bey der Kir­che und auch kein so genann­tes See­len­haus (Aus­seg­nungs­hal­le) vorhanden.

i) In der Schu­le wird von dem Pfarr­ex­po­si­tus der Reli­gi­ons­un­ter­richt nach voll­stän­di­gem Kate­chis­mus wochent­lich zwey­mal ertheilt.

k) Den Werk- und Fei­er­tags-Schul­pflich­ti­gen wird der nöthi­ge Unter­richt zum wür­di­gen Emp­fang der hl. Sakra­men­te beson­ders und eigens ertheilt.

Die Sankt Anto­ni­us Spi­tal­kir­che beschreibt er wie folgt:

a) Die gemau­er­te Kir­che mit einem höl­zer­nen Gewöl­be und mit einem Thurm ohne Uhr, wor­in 4 klei­ne Glo­cken ange­bracht sind, ist etli­che 80 Schuh lang und bey 40 Schuh breit.

d) Der Hoch­al­tar mit dem Bild des hl. Anto­ni­us nebst 2 höl­zer­nen Sta­tu­en und dem Taber­na­kel sowie die zwey Sei­ten­al­tä­re mit einer höl­zer­nen Frau­en­sta­tue hier und dem hl. Sebas­ti­an dort, auch von Holz geschnitzt — alle 3 Altä­re hät­ten sehr not­hwen­dig restau­riert zu werden.

f) Wohl ist ein Beicht­stuhl, eine Kan­zel und ein Sacra­ri­um vor­han­den aber kein Taufstein.

g) Die Kir­che begreift 12 Män­ner- und 16 Wei­ber­stüh­le und eine Empor­kir­che, ist also viel zu klein; ober der Empor­kir­che befin­det sich der Musik­chor mit einer Orgel samt einem Kas­ten für die Musi­ka­li­en und Instrumente.

h) Ein Mis­si­ons­kreuz, 15 Kreuz­weg­ta­feln, ein Mariae­bild, eine Sta­tue des hl. Joseph und des hl. Johan­nes von Nepo­muk, bei­de von Holz geschnitzt, sind die gan­ze Wandverzierung.

Zum Beschlus­se” — so der Stadt­pfarr­ex­po­si­tus Breu — muß die Bemer­kung gemacht wer­den, dass sowohl das Gebäu­de der Kir­che als die inne­re Ein­rich­tung der­sel­ben samt appa­rat (Gerät­schaf­ten) und Para­men­ten einer Ver­bes­se­rung und wei­te­ren Ver­voll­komm­nung höchst bedürf­tig wären und durch die Mit­tel der Spi­tal­kir­che auch so man­ches geleis­tet wer­den könnte.”

4. Abbruch der Spitalkirche

Dem zuletzt genann­ten Stadt­pfar­rer­ex­po­si­tus Rit­zin­ger war es ver­gönnt, den jahr­zehn­te­lan­gen Wunsch der Stadt nach einer neu­en Kir­che, einem eige­nen Fried­hof und einer selb­stän­di­gen Pfar­rei ver­wirk­li­chen zu helfen.

Ende des Jah­res 1864 wur­de der Koope­ra­tor Johann B. Rit­zin­ger von Pas­sau (nach 6 Jah­ren Seel­sor­ge in St. Paul) als Stadt­pfarr­ex­po­si­tus nach Oster­ho­fen admit­tiert. Als er sich am Fest Johan­nes Ev. bei Bischof Hein­rich ver­ab­schie­de­te, gab ihm die­ser mit dem ober­hirt­li­chen Segen die Wor­te mit: Zie­he hin in Got­tes Namen und sey glück­li­cher als ich. Seit 25 Jah­ren arbei­te ich für Oster­ho­fens Kir­chen­bau ganz ver­ge­bens; viel­leicht hat Gott Dich dazu bestimmt, ihm ein Haus zu bau­en (Pfarr­chro­nik Rit­zin­ger m.p.).”

Über sei­ne ers­te Begeg­nung mit der St. Anto­ni­us Spi­tal­kir­che schreibt der Chro­nist: Als ich am Tage der Unschul­di­gen Kin­der (28.12.) 1864 in unse­re alte, gestütz­te, äußerst schmut­zi­ge und ver­nach­läs­sig­te Kir­che trat, fühl­te ich mich schmerz­lich ergrif­fen. Damals schon gelob­te und opfer­te ich Gott für die Erbau­ung eines wür­di­gen Tem­pels all mei­ne Kraft.”

Den Akten ent­nahm er, dass man bereits seit 1823 um einen Kir­chen­bau bemüht war (1818 war per kgl. Dekret die Ver­wal­tung des kirch­li­chen Ver­mö­gens von der Pfar­rei Damen­stift auf den Magis­trat der Stadt über­tra­gen wor­den; s. 3. Abs. 1) und er gewann die Über­zeu­gung, dass man kei­ne neue Kir­che erhal­ten habe, weil man von maß­ge­ben­der Sei­te kei­ne woll­te: Die Pfar­rei Damen­stift sah eine unlieb­sa­me Kon­kur­renz, der Stadt­schrei­ber hor­te­te das beträcht­li­che Ver­mö­gen (Die gol­de­ne Hen­ne leg­te auch ihm dann und wann ein gol­de­nes Ei), und die Brau­er oppo­nier­ten gegen den vor­ge­se­he­nen Bier­pfen­nig zum Zwe­cke des Kir­chen­baus. Über­all sei Eigen­nutz im Spiel. Bereits 1861 war die Kir­che für irrepa­ra­bel erklärt wor­den. Seit­dem dis­ku­tie­re man end­los und erfolg­los, wem sie denn gehö­re, ob man sie über­haupt abbre­chen dür­fe, wohin die neue Kir­che zu stel­len sei. Man mach­te Plä­ne und ver­warf sie, wäh­rend der ehr­wür­di­ge Bau unzäh­li­che Male durch Unzucht pro­fa­niert wurde”.

Es muss­te etwas gesche­hen. Vor­dring­lich war die Bereit­stel­lung einer Not­kir­che. Im Ver­lauf des Som­mers 1865 wur­den die Sprün­ge in den Mau­ern so bedeu­tend, dass die Wän­de von innen und außen gestützt und mit Schlau­dern geklam­mert wer­den muss­ten, woll­te man das Got­tes­haus ohne Lebens­ge­fahr betre­ten. Beim Läu­ten auch nur einer Glo­cke wank­te die Gibel­mau­er und die Kluft klapp­te auf und zu, der Mau­er­sand rie­sel­te aus den Fugen und ein Mör­tel­bro­cken nach dem ande­ren pol­ter­te die Stie­ge her­ab. Anno 1866 dato 29. Jan. ord­ne­te das Kreis­bau­amt Lands­hut zur Ver­hü­tung dro­hen­den Unglücks” an, sofort den Turm abzu­tra­gen, was rasch in Angriff genom­men wur­de. Wir hör­ten fort­an kei­ne Glo­cke läu­ten und der Schlag der Stadt­thurm­uhr theil­te unse­ren Arbei­ten die nöthi­ge Zeit zu und war Signal für die Got­tes­diens­te. Am 1. Febru­ar 1866 abends gegen 8 Uhr und wie­der gegen 9 Uhr stürz­te unter mäch­ti­gem Gepol­ter ein Theil des Decken­ver­put­zes auf die Kir­chen­stüh­le nieder.”

Nun end­lich griff man durch, vor­an der Herr Land­rich­ter, ihm fol­gend der Magis­trat, der am 2. Feber per Pla­cat die Kir­che als geschlos­sen erklär­te. Bür­ger­meis­ter Stangl erstat­te­te beim Bezirks­amt Vils­ho­fen Bericht, wor­auf die defi­ni­ti­ve Schlie­ßung der Kir­che ver­fügt wur­de. Am 3. d.M. las Stadt­pfar­rer Rit­zin­ger die hl. Mes­se in der Stiftskirche.

Inzwi­schen gin­gen die Bemü­hun­gen um eine Inte­rims­kir­che erfolg­reich wei­ter, so dass man am 22. Febru­ar 1866 den Fas­ten­may­er­sta­del (die ehem. Wes­ter­may­er­sche Tabak­fa­brik; s. Oster­ho­fen um 1800” S. 14) für 6.000 Gul­den auf­kau­fen konn­te. Das Geld hat­te ein Con­sor­ti­um unter Lei­tung des Dis­tricts­arz­tes Dr. Kuf­ner durch Spen­den Oster­ho­fe­ner Bür­ger aufgebracht.

Am 10. März war die Ein­rich­tung der Not­kir­che so weit voll­endet, dass man beim Ordi­na­ri­at die Bene­dik­ti­on bean­tra­gen konn­te: Die Gesell­schaft Kuf­ner und Con­sor­ti­um erlaubt sich hier­mit anzu­zei­gen, dass der Fas­ten­may­er­sta­del am 22. Febru­ar 1866 durch ver­brief­ten Ankauf erwor­ben wor­den ist, um ihn der Stadt­ge­mein­de als Not­h­kir­che zur Ver­fü­gung zu stel­len, was hier­mit auch geschieht. Schließ­lich macht die Gesell­schaft sich ver­bind­lich, besag­tes Gebäu­de zum Zwe­cke eines Spi­tals, Armen- und Kran­ken­hau­ses sei­ner Zeit wie­der abzu­tre­ten, wenn das­sel­be zu kirch­li­chen Zwe­cken nicht mehr benützt wer­den soll­te.” Am 13. März wird die Bene­dik­ti­on der Inte­rims­kir­che durch den Geist­li­chen Rat Wall­ner, Dekan von Vils­ho­fen … in gezie­men­der Form und erhe­ben­der Wei­se” vollzogen.

Am Kar­sams­tag (31.3.) ver­sam­melt sich die Gemein­de zur Auf­er­ste­hungs­fei­er in der Behelfs­kir­che und am 24. April pre­digt Bischof Hein­rich anläss­lich sei­nes fünf­tä­gi­gen Firm­auf­ent­halts in der Pfar­rei Damen­stift in der Not­kir­che und lobt das bis­her Voll­brach­te. Der Kir­chen­neu­bau steht frei­lich noch bevor.

5. Die Sepultur

Ver­las­sen wir an die­ser Stel­le die Geschi­cke der Pfarr­kir­che und wen­den wir uns einem ande­ren, lan­ge ver­folg­ten Anlie­gen der Stadt und der Expo­si­tur zu — einer eige­nen Sepul­tur. Die Ver­stor­be­nen müs­sen bis dato im Fried­hof der Pfar­rei Damen­stift bestat­tet wer­den, was als Ärger­nis und Schmach emp­fun­den wird.

Am 16. März 1865 kommt es nun zu einer Magis­trats­sit­zung, in der über die Erwer­bung eines geeig­ne­ten Grund­stü­ckes für einen eige­nen städ­ti­schen Fried­hof befun­den wur­de. Die Wahl fiel auf das heu­ti­ge Gelän­de, damals zwi­schen der Wasen­meis­te­rei Sand­ner am Brein­bach und dem Tier­fried­hof drau­ßen in der öst­lichs­ten Siegs­tatt gele­gen (s. Oster­ho­fen um 1800” S. 61 ff), so dass auch die Gesund­heits­be­hör­de nicht pro­tes­tie­ren konn­te, zuma­len der Abde­cker in unmit­tel­ba­rer Nähe der Stadt sei­ne Cada­ve­ra unter pesti­len­zi­schem Gestank aufarbeite”.

Nach­dem unterm 18. Mai 1865 das Ordi­na­ri­at die selb­stän­di­ge Sepul­tur befür­wor­tet und am 29. Jan. 66 die Regie­rung die­sel­be geneh­migt hat­te, wur­de am 22. Febru­ar mit den Erd­ar­bei­ten begon­nen. Der Bau der Anla­ge ging rasch vor­an: am 4. Okto­ber mel­de­te der Magis­trat dem Ordi­na­ri­at die Fer­tig­stel­lung und bat um Bene­dik­ti­on, die am 22ten Octo­bris ao 66 — wie­der­um durch Dekan Wall­ner vor dem Got­tes­acker­chris­tus, einer Gabe der Pri­va­tiers­e­he­leu­te Thur­may­er, fei­er­lich voll­zo­gen wurde.

Wie es der lie­be Gott oder der Zufall will, stirbt am näm­li­chen Tag ein Kind, das am 24. Okto­ber im neu­en Fried­hof beer­digt wird — nicht jedoch vom Stadt­pfar­rer son­dern von Pfar­rer Schrei­ner der Damen­stift­pfar­rei. Die Stadt­be­völ­ke­rung war empört, hat­te man doch mit der Errich­tung eines eige­nen Fried­hofs — wie ver­spro­chen — auch auf eine eigen­stän­di­ge Sepul­tur gehofft. Es hagel­te Pro­tes­te, so dass sei­ne bischöf­li­che Exzel­lenz sub 28ten Juni 1867 die Erlaub­nis der Vor­nah­me aller Begräb­nis­se gestat­te­te — aller­dings gegen Ent­rich­tung eines jähr­li­chen Aver­sums von 100 Gul­den an die Pfar­rei Damen­stift, damit die dor­ti­gen Pfarr­ver­bands­ver­hält­nis­se durch den Ver­lust der Sepul­tur Oster­ho­fen nicht zu sehr alter­irt wür­den”. Das lie­be Geld! Der eine wills, der ande­re wills nicht lassen.

6. Der Kirchenneubau

Nach­dem die Spi­tal­kir­che gesperrt, not­dürf­tig gesi­chert und aus­ge­räumt war und die Not­kir­che bezo­gen (mit der man 6 Jah­re lang schwe­re Zei­ten durch­litt; s. Oster­ho­fen um 1800” S. 49ff), wur­de ein Neu­bau akut. Das wuss­ten alle, Befür­wor­ter und Geg­ner, auch die wel­che ex offi­cio dafür und inof­fi­zi­ell dage­gen waren. Am 6. Febru­ar 1868 rei­sen gleich 2 Depu­ta­tio­nen zur Regie­rung nach Lands­hut. Wort­füh­rer der oppo­si­tio­nel­len Bräu­er war der Tier­arzt, Brau­er und Gast­wirt Sand­ner. Die Regie­rung schickt eine Dele­ga­ti­on, am 3. August wird die Erlaub­nis zur Ein­le­gung (zum Abbruch) gewährt, die jedoch erst in der Magis­trats­sit­zung vom 14. Janu­ar 69 (gegen die Stim­mung der Brau­er) beschlos­sen wird und am 19.2.69 beginnt.

Wer oder was war schuld an der Ver­zö­ge­rung? Nach der o.g. regie­rungs­amt­li­chen Ver­fü­gung vom 3.8. ver­füg­ten sich Kreis­bau­be­am­ter Herr­ter, Bau­be­am­ter Schmid und Bezirks­amt­mann Gaß­in­ger nach Oster­ho­fen, lie­ßen Aus­mes­sun­gen vor­neh­men und schließ­lich auf dem Stadt­platz (!) den Stand­ort für die neue Kir­che aus­ste­cken. Das brach­te die Volks­see­le zum Kochen. Die Bür­ger stan­den auf wie ein Mann. Man remons­trier­te durch die Feder eines kgl. Advo­ka­ten, und die Magis­trats­rä­te Har­tan, Loibl (Leb­zel­ter), Thur­mayr (Han­dels­mann) und Haell­may­er (Zinn­gie­ßer und Gla­ser) reis­ten in gehei­mer Mis­si­on” nach Mün­chen (ihre Cylin­der­hü­te lie­ßen sie sich zur Bahn nach­tra­gen). Vor höchs­ter Stel­le ent­schied end­lich ein Brief des Gra­fen Prey­sing von der kgl. Hof­kam­mer die Stand­ort­fra­ge: Die Kir­che dür­fe auf dem alten Platz blei­ben. Gott sei Dank!

Das Jahr 1870 stand zwar im Zei­chen des Deutsch-Fran­zös. Krie­ges, den­noch began­nen im Febru­ar die Arbei­ten für die neue Kir­che. Als Bau­meis­ter fun­gier­te der Bau­un­ter­neh­mer und Bür­ger­meis­ter Bar­tho­lo­mä­us Har­tan, Bau­herr war der städ­ti­sche Magis­trat (dem ja 1818 die Zustän­dig­keit über­tra­gen wor­den war). Die Wider­stän­de, ins­bes. von Sei­ten der Brau­er, hör­ten kei­nes­wegs auf, obwohl der kgl. Malz­auf­schlä­ger Her­zog mit Geneh­mi­gung des kgl. Ober­auf­schlags­am­tes den Malz­auf­schlag (den Bier­pfen­nig) für den Kir­chen­bau bereits percipirte.

Ende 71 gin­gen die Glo­cken und der Kreuz­weg in Auf­trag. Zustän­dig dafür war die Pfar­rei. Das Geläu­te goß der Glo­cken­meis­ter Gugg in Pas­sau, die roma­ni­schen Orna­men­te auf den Glo­cken ent­warf Prof. Ott von Mün­chen. Den Kreuz­weg fer­tig­te Bas­ler in Sim­bach. Die Orgel, ein Kunst­werk sei­ner Art, bau­te der Pas­sau­er Orgel­bau­er Hechen­ber­ger. Spen­den und Lie­bes­ga­ben der Bevöl­ke­rung hal­fen die hohen Unkos­ten decken.

So schritt der Kir­chen­bau zügig sei­ner Voll­endung ent­ge­gen. Am 27. März kamen die Glo­cken, wur­den fest­lich von der Stadt­gren­ze zur Kir­che gelei­tet und tags dar­auf auf­ge­zo­gen. Am 30. März bene­di­zier­te Pfar­rer Rit­zin­ger das ver­gol­de­te Turm­kreuz. Am 24. April hob der Bischof (anläß­lich der Fir­mung in der Pfar­rei Damen­stift) eini­ge der aus frü­he­ren Jahr­hun­der­ten bestehen­den Reces­se auf, die man kon­ser­viert hat­te, um das alt­her­kömm­li­che Depen­denz­ver­hält­nis zur Pfar­rei Damen­stift nicht zu alter­i­ren”: Der Stadt­pfar­rei wur­de nun end­lich zuge­stan­den, ihre Kir­chen­fes­te, Pre­dig­ten, Tau­fen etc. eigen­mäch­tig vorzunehmen.

Am 22ten Octo­bris ao 1872 end­lich (auf den Tag 6 Jah­re nach der Bene­dik­ti­on des Fried­hofs) kon­se­krier­te sei­ne Exzel­lenz Bischof Hein­rich von Pas­sau die neue Stadt­kir­che zum hl. Kreuz. An die Kir­chen­wei­he schloß sich eine zehn­tä­gi­ge unver­geß­li­che Mis­si­on durch Patres der Redemp­to­ris­ten. Die Kos­ten für den Tem­pel und Kunst­bau” (wie Stadt­schrei­ber Bau­ern­feind die Kir­che in einem Hym­nus preist) belie­fen sich auf 53.000 Gulden.

7. Die eigen­stän­di­ge Pfarrei

Ich muß noch ein­mal etwas aus­ho­len: Im Jah­re 1767 taten sich meh­re­re Leu­te von Stadt und Land zusam­men und ver­pflich­te­ten sich, alle Wochen 1 Kreu­zer zu ent­rich­ten, damit — inclu­si­ve diver­ser Lega­te — täg­lich eine Früh­mes­se gele­sen wer­den konn­te, die sog. Kreu­zer­mes­se des Kreu­zer­meß­bun­des. Der letz­te Kreu­zer­meß­bund­früh­mes­se­le­ser” war Joseph Nickl, der am 30.7.1872 nach lan­gem Lei­den ver­starb. Bereits im März 72 war zur Aus­hil­fe für den schwer­kran­ken Nickl der Semi­nar­prä­fekt Braumandl von Pas­sau als Coad­ju­tor des Expo­si­tus nach Oster­ho­fen admit­tiert worden.

Um die­sen Aus­hilfs­pries­ter für immer zu behal­ten, ver­such­te man die Coad­ju­tur in eine Coope­ra­tur umzu­wan­deln. Da weder das Ordi­na­ri­at noch die Mut­ter­pfar­rei Damen­stift Mit­tel gewähr­ten, blieb nur der Weg über den besag­ten Kreu­zer­meß­bund. Das Vor­ha­ben gelang. Als dem Bund 1878 ein tes­ta­men­ta­ri­sches Legat des 77 ver­stor­be­nen Pri­va­tiers Simon May­er in Höhe von 16.000 Gul­den zufiel, wur­de der Kreu­zer­meß­bund in ein Bene­fi­zi­um bischöf­li­cher Col­la­ti­on umge­wan­delt. Der ers­te May­er’­sche Mes­se­le­ser wur­de Niko­laus Endl am 17. Juli 78. Ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung eigen­stän­di­ge Pfar­rei war getan.

Die­se per­so­nell gestärk­te Pfar­rei ver­stärk­te — zusam­men mit dem Magis­trat — die kirchlich/​caritativen Akti­vi­tä­ten: Die Instal­la­ti­on des Kreuz­wegs 1873 sowie die Errich­tung des gro­ßen Kru­zi­fi­xes hin­ter der Kir­che 74 wur­den mit 40stündigem Gebet, Pre­digt und all­ge­mei­ner Beicht wäh­rend der 3 Fast­nachts­ta­ge zu einem so gro­ßen Erfolg, dass man dar­an fest­hielt. Anno 1874 wur­den auch das neue Spi­tal mit Armen­haus und Kin­der­be­wahr­an­stalt sowie das Dis­tricts­kran­ken­haus vollendet.

Bei der Ein­wei­hung des Lei­chen­hau­ses im Fried­hof am Ascher­mitt­woch (14.2.) 1876 sag­te Stadt­pfarr­ex­po­si­tus Rit­zin­ger: Es erüb­rigt jetzt noch die Erhe­bung der Expo­si­tur zu einer Stadt­pfar­rei, die Erbau­ung eines Pfarr­ho­fes wie die Über­ga­be des Kran­ken­hau­ses und des Spi­tals an barm­her­zi­ge Schwes­tern.” Die­se drei Anlie­gen unter­brei­te­te der Expo­si­tus auch dem neu­en Bischof Joseph Franz (Bischof Hein­rich war am 15. Mai 1875 ver­stor­ben), als die­ser am 16. Juni nach Oster­ho­fen kam und als ers­ter Bischof in der Stadt­kir­che firm­te. In Sachen Expo­si­tur bekun­de­te er Wohl­wol­len, ver­wies jedoch auf die Vor­dring­lich­keit eines eige­nen Pfarr­ho­fes. Wer aber soll­te den beschaf­fen? Die Stadt war nicht wil­lens, die Pfar­rei nicht in der Lage.

Im Rah­men die­ser leb­haf­ten öffent­li­chen Dis­kus­si­on hat­te ein gewis­ser Pri­va­tier Georg Pey­erl geäu­ßert, er sei nicht abge­neigt, sein Haus in der Vor­stadt (heu­te Vor­stadt 20) der Kir­che nach sei­nem Tode zu über­eig­nen. Nun, Pey­erl erfreu­te sich guter Gesund­heit, und so kam es erst Jah­re spä­ter (1892 nach dem Able­ben der Wit­we Katha­ri­na Pey­erl) zur beab­sich­tig­ten Schen­kung (s. Oster­ho­fen um 1800” S. 78/79).

Das gibt mir Zeit, den geneig­ten Leser ein wenig in die gute alte Zeit” zurück­zu­füh­ren. Wohl — gut Ding braucht Wei­le, aber eben­so gilt, dass, wo die Feld­frucht spär­lich reift, das Unkraut wuchert. Mit ande­ren Wor­ten: Es gab Ärger und Zwie­tracht in der ehr­wür­di­gen Her­zogs­stadt, man schob den Schwar­zen Peter für die lei­di­ge Ver­zö­ge­rung von einem zum andern.

Vor­be­ben hat­te es schon beim Kir­chen­bau gege­ben, ins­bes. wegen des Bier­pfen­nigs. Das Haupt­be­ben, das die Bür­ger­schaft in ihren Grund­fes­ten erschüt­tern soll­te, brach 1875 aus: Am 30 Juni starb die Wit­we eines stadt­be­kann­ten Brau­ers — angeb­lich an Strych­nin. Gegen den Ehe­mann wur­de Mord­an­kla­ge erho­ben. Die­ser flieht nach Ame­ri­ka, wird in Lon­don gestellt und aus­ge­lie­fert. Das Schwur­ge­richt in Strau­bing spricht ihn aus Man­gel an Bewei­sen frei, die öffent­li­che Mei­nung spricht von einem unge­sühn­ten Mord und — als der Ange­klag­te am 26.8.76 die Kell­ne­rin, mit der er Ehe­bruch beging, kirch­lich ehe­licht — von Blas­phe­mie. Der einst so renom­mier­te Mann, ohne den in Oster­ho­fen nichts lief, wird gemie­den wie die Pest. Als er wenig spä­ter stirbt, ver­wei­gert die Pfar­rei die Glo­cken, der Magis­trat (in dem immer noch ein paar sei­ner Freun­de sit­zen) besteht dar­auf, denn die Glo­cken hän­gen in der stadt­ei­ge­nen Kirche.

Der Streit greift über auf die Kir­chen­bän­ke, für sie gilt das­sel­be. Man bean­sprucht Beam­ten­stüh­le, will jedoch kein Stuhl­geld ent­rich­ten, wor­auf die Kir­chen­ver­wal­tung sie nicht säu­bern läßt. Man legt dem Pfar­rer zur Last, dass er die Wei­ber in den Män­ner­stüh­len dul­de und man oppo­niert gegen den neu­en Ölberg in der Tauf­ka­pel­le, weil dadurch der Not­aus­gang (bei 4 Kir­chen­tü­ren) blo­ckiert wer­de usw. usf.

Im Jah­re 82 folgt dem vor­ge­nann­ten Fall der Eklat Bau­ern­feind. Der ver­sier­te, all­seits respek­tier­te Stadt­schrei­ber (er ver­faß­te 74 die Stadt­chro­nik) wird betrü­ge­ri­scher Ver­un­treu­ung von öffent­li­chen Gel­dern (von Kran­ken­haus­gel­dern, Spar­kas­sen­gel­dern, Schul­um­la­gen, Diä­ten, Hun­de­steu­ern, Ver­eins­gel­dern etc.) bezich­tigt, in Deg­gen­dorf zu 6 Mona­ten Frei­heits­ent­zug ver­ur­teilt und in Amberg arre­tiert. (Er kommt nach Ver­bü­ßung der Stra­fe nach Oster­ho­fen zurück, wo er das Hei­mat­recht hat, und übt bis zu sei­nem Tode 94 hier die Pro­fes­si­on eines Volks­an­walts = eines Win­kel­ad­vo­ka­ten aus.)

Den­noch — trotz aller Tur­bu­len­zen — geht es Schritt für Schritt vor­an. Am 1. Okto­ber 1883 kom­men die ers­ten 3 Mal­lers­dor­fer Schwes­tern vom III. Orden des hl. Fran­zis­kus mit einer Schaff­ne­rin ans Distrikt­kran­ken­haus (nicht zuletzt dank der Ver­mitt­lung des Ber­irks­raths Graf Prey­sing), 86 fol­gen wei­te­re für das Bür­ger­spi­tal (Vor­läu­fer des Caritasheims).

Am 13. März stirbt Bischof Joseph Franz von Weckert, sein Nach­fol­ger wird der Gene­ral­vi­kar des Erz­bis­tums Mün­chen-Frei­sing Dr. Micha­el von Rampf, ein muti­ger, umsich­ti­ger und wei­ser Mann” (Leidl). Sein Anlie­gen war es, die Posi­ti­on der Kir­che gegen­über der libe­ra­len Regie­rung Lutz zu stär­ken. In sei­ner Regent­schaft grün­det er 43 neue Pfar­rei­en (dar­un­ter Oster­ho­fen) und 19 Expo­si­tu­ren. Die Zei­chen ste­hen also gut. Am 27. Juli 91 seg­net Frau Katha­ri­na Pey­erl (s.o.) das Zeit­li­che. Bür­ger­meis­ter Sell über­nimmt das als Pfarr­hof desi­gnier­te Anwe­sen in der Vor­stadt zu treu­en Hän­den. Der Weg zu einer eigen­stän­di­gen Pfar­rei ist frei.

1895 ist es dann so weit. Die aller­höchs­te Ent­schlie­ßung Nr. 2484 zur Erhe­bung der kgl. Expo­si­tur Oster­ho­fen zur selb­stän­di­gen Pfar­rei datiert vom 24. März 1895. Wir — Luit­pold, von Got­tes Gna­den könig­li­cher Prinz von Bay­ern, Regent — fin­den uns aller­gnä­digst bewo­gen, die Erhe­bung der Expo­si­tur Oster­ho­fen, Bezirks­amt Vils­ho­fen, zur Pfar­rei unter nach­ste­hen­den Bestim­mun­gen zu geneh­mi­gen…”. Dar­auf­hin fer­ti­gen Kir­chen­ver­wal­tung und Magis­trat den her­zu­stel­len­den Stif­tungs­brief”, auf Grund des­sen die Ober­hirt­li­che Kon­fir­ma­ti­on sub 18. Mai erfolgt. Wir — Micha­el, von Got­tes Barm­her­zig­keit und des Apos­to­li­schen Stuh­les Gna­den Bischof von Pas­sau — wol­len nach Maß­ga­be des Kon­kor­da­tes die Stadt­pfar­rei kano­nisch errich­ten und errich­ten die­sel­be … unter Erhe­bung der bis­he­ri­gen Expo­si­tur­kir­che zum hei­li­gen Kreuz in der Stadt Oster­ho­fen zur Pfarrkirche.”

Am 1. Juni lau­fen die o.g. Urkun­den hier ein und wer­den am Pfingst­mon­tag (3. Juni) durch den H.H. Geist­li­chen Rath Dekan Achatz von Vils­ho­fen inter solem­nia dem Pfarr­vol­ke publi­cirt”. Pro­vi­sor in spi­ri­tua­li­bus und regie­rungs­amt­li­cher Ver­we­ser wird der bis­he­ri­ge Expo­si­tus Johann B. Ritzinger.

Ein Wer­muts­trop­fen im Kelch der all­ge­mei­nen Freu­de war der Tod des frü­he­ren Bau- und Bür­ger­meis­ters Bar­to­lo­mä­us Har­tan, der 1871/72 die Stadt­pfarr­kir­che erbaut hat­te. Vom Gie­bel des (noch nicht ganz voll­ende­ten) neu­en Schul­hau­ses am Kirch­platz (heu­te Spar­kas­se am Mari­en­platz) weh­te die Trauerfahne.

Mit Ent­schlie­ßung vom 4. August 95 wur­de Pfarr­ex­po­si­tus Johann Bap­tist Rit­zin­ger zum Stadt­pfar­rer von Oster­ho­fen ernannt, am 20. August erfolg­te in Pas­sau die Inves­ti­tur, am 8. Sep­tem­ber die fei­er­li­che Instal­la­ti­on unter all­ge­mei­ner Teil­nah­me der Bevöl­ke­rung. Es war der schöns­te Tag in mei­nem Leben”, schreibt Rit­zin­ger in sei­nem Diarium.

Unse­re His­to­rie möge aus­klin­gen mit dem gro­ßen Bür­ger­fest, das am Sams­tag und Sonn­tag zu Ehren der Stadt­pfar­rei und ihres Stadt­pfar­rers von den dank­ba­ren Söh­nen Kol­pings” (= vom Gesel­len­ver­ein, des­sen Prä­ses Rit­zin­ger war) aus­ge­rich­tet und von jung und alt begeis­tert began­gen wur­de — mit Fackel­zug und Sere­na­de vor dem Wohn­haus Rit­zin­gers (der heu­ti­gen Hypo­bank), abend­li­chem Stand­kon­zert der Pas­sau­er Stadt­ka­pel­le im Post­kel­ler (dem Prey­sing­kel­ler in Pöding), Kir­chen­zug und fest­li­chem Hohen Amt, das der Kir­chen­chor unter der Direk­ti­on des H.H. Bene­fi­zia­ten Peter Gries­ba­cher (der von 1895 bis 1911 als Mey­er’­scher Mes­se­le­ser in Oster­ho­fen weil­te) umrahm­te, Fest­mahl in der Alten Post (am Stadt­platz) und Kel­ler­fest am Abend in den Kel­ler­lo­ka­li­tä­ten (Nei­ßen­dor­fer­kel­ler ein­gangs der Siegs­tatt, spä­ter Dr. Rüth) der Neu­en Post (in der Vor­stadt, spä­ter Oswald).

An sei­nem Namens­tag, dem 24. Juni 1896 wur­de Stadt­pfar­rer Rit­zin­ger (zusam­men mit Bür­ger­meis­ter Lud­wig Sell) die Ehren­bür­ger­wür­de ver­lie­hen. Er hat­te sei­ner Gemein­de 32 lan­ge Jah­re in Schmer­zen gedient, lei­te­te die Stadt­pfar­rei noch bis 1901 und ver­starb als Com­mo­rant in Oster­ho­fen im Kriegs­jahr 1914.

Möge unse­re Pfarr­ge­mein­de ihres lan­gen, mühe- und leid­vol­len Weges durch die Jahr­hun­der­te stets ein­ge­denk blei­ben und in Ein­tracht und inne­rem Frie­den ihre Zukunft mit Augen­maß, fes­ter Hand und gläu­bi­gem Her­zen gestalten. 

Johann Hein­rich Schön (100 Jah­re Stadt­pfar­rei Oster­ho­fen, 1895 — 1995

Hilf­rei­che Stel­len und Quellen:

Bischöf­li­ches Archiv Passau

- August Leidl, Das Bis­tum Passau

- Lud­wig Hein­rich Krick, Seel­sorgs­vor­stän­de und Bene­fi­zia­ten des Bis­tums Pas­sau bis 1911

Staats­ar­chiv Landshut

Haupt­staats­ar­chiv München

Orts­chro­nik F.J. Bau­ern­feind von Osterhofen

Stiftschro­nik J.N. Sit­ters­ber­ger von Osterhofen

Pfarr­chro­nik J.B. Rit­zin­ger von Osterhofen

Oster­ho­fe­ner Hef­te J.H. Schön

- Oster­ho­fen um 1800

- Land­graf Johann 1. von Leuchtenberg

- Oster­ho­fen in alten Ansichten

- Fest­schrift zur 600jährigen Wie­der­kehr der Stadt­er­he­bung 1378